Freitag, 5. Februar 2016

"KINDERLEICHT" - NÄHEN MIT JERSEY




Als Journalistin bekomme ich immer mal wieder so genannte Rezensionsexemplare  von Verlagen zugeschickt. Im Idealfall gucke ich mir diese Bücher in Ruhe an, bilde mir eine Meinung und veröffentliche diese. 

Doch manchmal fällt es mir schwer, den Ablauf einzuhalten. Warum? Weil es verhältnissmässig viele Titel gibt, die zwar nett aussehen, inhaltlich aber wenig Neues zu bieten haben. Will man den Lesern etwas ans Herz legen, was einen selbst nicht überzeugt? Eben. Umso froher bin ich, dass ich euch dieses Mal ein wirklich gelungenes Buch vorstellen darf:


 Der Titel "Kinderleicht. Nähen mit Jersey für Babys und Kleinkinder" von Pauline Dohmen (Autorin des Blogs "Klimperklein") passt wunderbar in unsere Zeit. Warum? Weil das Nähfieber gerade grassiert, wir wissen das alle. Interessanterweise trauen sich immer mehr Näherinnen an die (zu Unrecht) gefürchtete Maschenware. Mit durchaus durchmischten Ergebnissen. Manche von uns bändigen den Stoff recht schnell produzieren nahezu so gut wie die Profis. Andere wurschteln irgendwie vor sich hin, fluchen und schimpfen, ziehen beim Nähen am Stoff und produzieren Wellennähte. Und alles nur, damit das Kind auch einen Hoodie mit Drache-Kokosnuss-Stoff hat. Glücklicherweise interessiert es die Kleinen nicht die Bohne, dass der Stoff ein Eigenleben hat.

So weit, so gut. Nun kommt Pauline Dohmen, Mutter, Nähfreak und nun auch offiziell Jerseybändigerin. Sie macht drei Dinge: 

1. Sie stellt eine umfangreiche Schnittmuster-Sammlung zusammen, mit deren Hilfe man fast alle Kleidungsstücke für die ersten 8 Lebensjahre nähen kann. Es gibt einen ersten Teil für die Grössen 56 bis 92 und einen zweiten Teil für 98-134. 





2. Sie gibt jede Menge Tipps, wie Jersey, Sweat und Co. zu behandeln sind. Und zwar nicht nur theoretisch ("Bitte niemals am Stoff ziehen!"), sondern ganz konkret am Beispiel. Hier ein Fall, den alle Näherinnen kennen: Gummizugbund einnähen, annähen, anbringen. Dass viele Wege nach Rom führen, ist klar. Aber, Hand auf's Herz, wir machen es doch meist nach Schema F, oder? In "Kinderleicht" werden einem nun mindestens drei Varianten angeboten und erklärt. Jeweils mit den Vor- und Nachteilen. Das fand ich toll. Und ich bin keine Nähanfängerin mehr... 




3. Jede Anwenderin wird genau dort abgeholt, wo sie handwerklich steht. Anfänger lernen die Basics und schaffen viel schönere Ergebnisse, Fortgeschrittenen eröffnet sich ein Kosmos an weiteren Ideen und Herangehensweisen.

Zum Schluss noch ein paar Worte eine mögliche Fortsetzung betreffend:

Ich weiss, dass die erste Auflage des Buches quasi über Nacht vergriffen war. Kein Wunder, das Buch ist wirklich gut. Viele Näherinnen in D, A und CH warten gerade auf die zweite Auflage, die gerade nachgedruckt wird. (Sorry, Mädels, ich rücke mein Exemplar nicht heraus.) Man muss also kein Prophet sein, um zu erahnen, dass der Stuttgarter Frechverlag bald an einen zweiten Teil denken wird. Was nachvollziehbar ist, da das Buchkonzept wirklich überzeugt. 

Was mir bisher fehlt, sind die grösseren Grössen. Viele Stoffhersteller produzieren vermehrt Teenie-kompatible Muster und Schnittmusterentwicklerinnen bieten immer häufiger Grössen für Heranwachsende an. Die Kinder wachsen gewissermassen mit der Nählieber ihrer Mütter mit. Also bitte beim nächsten Mal auch bis Grösse 176! (Übrigens ein Feld mit viel Entwicklungspotenzial. Die Ottobre ist dort eher schwach auf der Brust, wenn Ihr mich fragt.) 

Und warum den Leserinnen nicht noch ein bisschen mehr zutrauen und ein Kapitel für Schnittmustermodifikationen anhängen? Mit ein bisschen Geschick kann man aus einem Shirt ein Kleid machen, aus langen Ärmel kurze - und einen runden in einen V-Ausschnitt verwandeln. 

In wenigen Wochen erscheint ein sehr ähnlich konzipiertes Nähbuch von Lillestoff. Bin gespannt, was die Konkurrenz auf die Beine gestellt hat. 

Herzlich
Bettina






1 Kommentar:

  1. Puh, na da bin ich jetzt aber erleichtert, dass mein Buch bei dir Anklang findet :D Tatsächlich war meine Idee, dass der clevere Näher nach der Lektüre des Buches selber auch die Idee kommt, Schnittmuster zu modifizieren, da die Schnitte auf dem Bogen so angelegt sind, dass aus einem Grundschnitt mehrere Modelle entstehen... Ich bin gespannt, was du zu Band 3 sagst...

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