Donnerstag, 16. Juni 2016

IN MEINEM NÄHKÄSTCHEN




Ich muss Euch etwas gestehen: Ich liebe es, Fotos fremder Nähplätze anzuschauen. Je detailreicher, desto besser. Mein Studieren und Starren hat etwas Voyeuristisches, schon klar. Aber ich brauche das. Zeige mir Dein Nähkästchen und ich sage Dir, wer du bist - und vor allem wie du nähst! 

Ich will sämtliche Details erfassen. Welche Stoffe lagern bei anderen Näherinnen im Regal? Vielleicht dieselben Prints wie bei mir? Oder ganz andere Designs, mehr Pastell und Rosendrucke = so was von nicht mein Stil? Vielleicht verstecken die Fremden ihre Webware auch in meterhohen Schränken, um die heikle Ware vor dem bösen UV-Licht und dem omnipräsenten Staub zu schützen? (Und leidet darunter nicht die Kreativität, wenn man den Stoff erst aus dem Tresor holen muss, bevor man Muster kombiniert?) Brennend interessiert mich auch immer diese Frage: Wie bringen andere Handarbeiterinnen Ordnung in das Garnrollen-Chaos?




Der vielleicht wichtigste Aspekt, der für einen ausführlichen Blick in anderer Leute Nähkästchen spricht: Gibt es einen Organisationskonzepte, die man selbst abkupfern könnte? Einen genialen Nähplatz-Hack sozusagen? 

Als mich Matthias Fluri, der Pressemensch von Bernina, fragte, ob ich meinerseits meine Schubladen für den Bernina-Blog öffnen würde, sagte ich jedenfalls sofort ja. Es ist nur fair, nach all dem Fremdgaffen selbst etwas zum Thema Nähplatzorganisation beizusteuern...

Here we go! Obwohl ich im Alltag kein besonders ordentlicher Mensch bin, entwickele ich mich in meiner Nähecke zur Pedantin. Heisst: Ich brauche Klarheit und Übersicht. Bevor ich ein neues Projekt beginne, räume ich erst auf, versorge alle Sachen sorge für eine Tabula rasa, einen leeren Tisch. Dann wähle ich die Stoffe und Zutaten aus, kombiniere wild drauf los, trete einen Schritt zurück, ziehe einen neuen Print hervor und so weiter. Da Nähen mit Webware in meinem Empfinden komplett anderes als Nähen mit Maschenware ist, gibt es bei Stahlarbeit (das ist mein Bloggerlabel) Stapel für die unterschiedlichen Qualitäten.


Ihr ahnt es schon: Bei mir daheim ist alles farblich vorsortiert und wird offen präsentiert. Ich finde das nicht nur sehr praktisch, da die Stoffkombination so leichter von der Hand geht. Nein, die Stapel sind auch ein wunderbares Dekoelement für mein Zuhause. 

Ihr alle wisst, dass Jersey, Sweat und Co. eher wabbelig sind. Eine "Regalhaltung" ist zwar möglich, es geht aber besser: Ich habe mir Zeitschriftensammler besorgt. So habe ich jederzeit den Überblick und es sieht auch noch gut aus. (Ach, ja, man kann beim Nähen auch mal schnell die Füsse ablegen - auch schön.)



Ein ganz eigenes Thema sind die Bündchen. Die brauchen wir alle (mehr oder weniger). Meist ist unser Vorrat halbseitig angeschnitten, es gibt Reste, Anhänge und so weiter. Nich Ich habe mir für die Börtli eine ganz eigene Variante überlegt, bei der ich mir schnell einen Überblick über die Nuancen verschaffen kann. Und wenn die Auswahl gemacht ist, kommt der Deckel drauf. 



Der weisse Kasten samt Deckel kommt übrigens vom Schweden - so wie viele andere Nähplatzhelfer auch. Am meisten liebe ich mein Rollschränkchen ALEX. Sechs weite und tiefe - aber niedrige - Schubladen. Perfekt, um all den Krimskrams unterzubringen. In der Küchenabteilung noch schnell ein paar Besteckeinsätze gegriffen - und fertig ist das perfekte Aufbewahrungsmöbel. Urteilt selbst:



So geht das auf mehreren Etagen weiter. Mein Lieblingsauszug ist für die Garne reserviert. Ja, ein leidiges Thema. Es gibt Garnrollensammler auf dem Markt, aber die sind nach meinem Empfinden entweder unpraktisch (da man die Spulen anheben muss, um den Farbton zu erkennen) oder hässlich (Plastikköfferchen) oder beides. Nach mehreren Anläufen habe ich die für mich perfekte Organisationsform gefunden.



Zur Info: Ich war im Baumarkt und habe mir schmale Lättchen auf die Schubladentiefe zuschneiden lassen. Obwohl die Hölzer noch frei beweglich sind, erhalten sie Halt durch die Garne. Auch hier wieder alles farblich sortiert - denn Zeit ist ein kostbares Gut. Wenn ich nicht sicher bin, welcher Farbton passt, greife ich drei, vier Spulen heraus und lege sie auf den Stoff. (Ihr wisst ja: Immer einen Tick dunkler als das Tuch, dann verschwindet das Garn später besonders gut...)

Die Spulen sind ganz ähnlich organisiert und liegen in Spulensammlern von Prym (Bildausschnitt oben rechts). Natürlich könnte man auch die Spulen auf die Rollen setzen, dann müsste man aber die Rollen hinstellen oder aufhängen, oder an die Wand nageln. 



Besonders kreativ war ich bei der Suche nach einer Aufbewahrungslösung für Webbänder und Nähfüsschen. Die idealen Accessoires gab's in der Bäderabteilung eines wunderbaren Schweizer Einrichtungshauses. Meine Webbänder warten in einem Lippenstift-Display auf ihren Einsatz. Und die Füsschen liegen in einem Nagellack-Sammler. Oder war es umgekehrt? Egal. Hauptsache, ich behalte den Überblick.



Am Schluss noch zwei kleine Tipps aus dem Nähalltag. Ich setze häufig Schnittmuster aus dem englischsprachigen Raum um. Dort ist die Nahtzugabe sehr oft schon enthalten, mal beträgt sie einen Zentimeter, mal mehr, mal weniger. Natürlich gibt es auf meiner Bernina-Nähmaschine 350 PE (oder meiner Bernina-Overlock 700 D bzw. meinerr Bernina Coverlock L 220) eine Skala, die den Abstand der Nahtlinie angibt. Aber mal ehrlich, das kann doch kein Mensch sehen. Ich packe dann jeweils Washi Tape (auch bekannt unter dem Namen Masking Tape) aus - und klebe mir die Richtung vor.



Und dann ist da noch das Problem mit der Nadel. Wisst ihr, welches Modell gerade in eurer Maschine steckt? Eine 70er oder doch eine 90er? Mit spitzer oder runder Spitze? Also ich nicht. Deswegen habe ich eine ausgediente Nadel mit rotem Nagellack angemalt. Und immer, wenn ich eine neue Nadel einspanne, schiebe ich meine DIY-Erinnerungshilfe in die Lücke.




Ich hoffe, dass Euch die kleine Rundreise durch mein Nähuniversum gefallen hat. Ich melde mich jetzt ab und fange mit dem Nähen an. Die Ordnung auf den Bildern, die ist zu schön um wahr zu sein. Also her mit den Stoffen, Garnen, Bändern, Schnittmustern und dem Nahtauftrenner :)

Herzlich
Bettina






Kommentare:

  1. Die Garnrollen- und Nähfüßchenaufbewahrung gefallt mir ja besonders gut <3 Wenn ich mein neues Nähzimmer einrichte, dann zieht vielleicht auch so ein Schubladenschränkchen ein. Danke für diese Inspiration und den Blick durchs Schlüsselloch.

    Liebe Grüße, Carmen

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  2. Auch ich liebe Lünkern! Tolle Idee für die Garnrollen. Habe selbst einen Plastikkoffer benutzt, der von aldi verkauft wurde, für Werkzeug mit eigenen Plastiktrennern... von oben (also Deckel durchsichtig), vor Staub somit geschützt. Da an den Wänden Regale voller Bücher stehen, habe ich den Stoff bzw. die Stoffe in Plastikboxen von ikea (45 l) verwahrt... Viele Grüße

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  3. Klasse Beitrag! Vielen Dank für die tollen Anregungen. Die Zeitschriftensammler (könnte sich in meinem Kleiderschrank eventuell auch für den wackeligen Wollpulli-Turm eignen..?) und Nagellack-Nadel werde ich wohl übernehmen. Viele Grüße!

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