Samstag, 11. Juni 2016

GEHT ES NOCH BUNTER? NÖ!



Wenn ich meinen Stil beschreiben sollte, würden mir vor allem drei Dinge in den Sinn kommen:

1. Farbe
2. Farbe
3. Und noch mehr Farbe.

Ich berausche mich an Nuancen, an Schattierungen und an Farbharmonien. Obwohl ich manchmal  total selten auch einfarbige Stoffe verarbeite, zieht es mich immer wieder zu den wirklich ausdrucksstarken Prints. Dass das mitunter zur Gratwanderung werden kann, wisst ihr. Die Linie zwischen "wahnsinnig schön" und "wahnsinnig bunt" (Hilfe!) ist hauchdünn. 





Ich verrate Euch heute einen kleinen Trick, wie man beim Kreieren "perfekter" Farbkombinationen mogeln kann. Und das geht so: Man nehme einen asymmetrischen, quietschbunten Japanstoff. Ich habe es leider verschwitzt, das zwei Meter lange Stoffstück aus dem Hause Kokka vor der Verarbeitung zu fotografieren. (Zu meiner Schande kann ich Euch auch nicht mit dem genauen Namen der Kollektion versorgen, da der Print schon sehr lange in meinem Regal lag... sorry dafür.) 



Aber ich schätze, Ihr könnt euch den Stoff vorstellen. Obwohl alles schön zusammenpasst, ist der Print (selbst für mich) eine Spur too much. Es gibt Blumenfelder, es gibt Streifen, es gibt panelartige Rapporte. 



Nun kommt das Schnittmuster für das Antalya Dress (Schnitt und Anleitung sind seit dieser Woche in deutscher Übersetzung bei Näh-Connection erhältlich, anfangs als Schnittpaket mit anderen Schnitten, später auch einzeln.) ins Spiel. Olga, die Designerin des amerikanischen Indie-Labels Coffee and Thread, hat einen wirklich ungewöhnlichen Entwurf vorgelegt. Das Mädchenkleid Antalya (Grössen 86 bis 152) hat Kimono-Ärmel, Paspelnähte, geraffte Elemente, eine 20er-Jahre-Taille - kurzum, Antalya ist wie ein Kessel Buntes. Passt doch gut zu einem verrückten Stoff, dachte ich mir.

Also her mit der Schere, Schnittteile so aufgelegt, dass Ordnung ins Chaos kommt - und schnippschnapp. Nochmal, damit es ganz klar ist: Was ihr auf den Bildern seht, das war ursprünglich alles EIN Stoff. Ich habe nicht gepatcht und auch keine Prints kombiniert. Einfach nur geschnitten.



Bei der Paspel hatte ich die Qual der Wahl. Mein erster Impuls war, eine Rote einzunähen. Was okay aber nicht ideal gewesen wäre. Hier kommt mein zweiter Trick: Paspeln und Bänder sind nicht dazu da, wie Leuchtsignalfeuer hervorzustechen. Nein, sie sollen bestehende Farben aufgreifen - und noch wichtiger - Schnittteile verbinden. Die Antalya-Rockteile sind sehr wild, die Ärmel eher ruhig. Also braucht es eine Farbe, die eine Brücke zwischen dem einen und anderen schlägt. Ich habe mich also für Rosa entschieden.



Eine ganz andere Geschichte ist das Häkelbortenschrägband am Übergang zum Hals bzw. zur Haut. Dort darf es wiederum krachen. Denkt immer daran: Das tollste Kleidungsstück verliert an Wirkung, wenn es nicht zum Teint und Typ des Trägers passt. Da meine Tochter eher blass ist, habe ich hier zu einem satten Gelb gegriffen.



Die Geschichte ist fast fertig erzählt. Ihr könnt es vermutlich nur erahnen, aber ich habe den Rocksaum auch mit einem rosafarbenen Schrägband verblendet. Das gibt Stand und wirkt als Abschluss professionell. Hier wäre übrigens auch Rot oder Aubergine gegangen. Der Innenbereich des Rocksaums ist ein Detail, wo Spielen absolut erlaubt ist. 



So. Und nun noch ein Bild vom Rücken. Da war ursprünglich ein Reissverschluss oder eine Knopfleiste vorgesehen. Es wurde dann ein von aussen versäuberter Schlitz mit Einzelknopf. Nahaufnahmen gibt's nicht, da der Schlitz etwas, ähem, ja, schräg ausgefallen ist...



So. Jetzt bleibt mir nur noch, Euch allen ein schönes, buntes Wochenende zu wünschen. Und nicht vergessen: Das Antalya Kleid gibt es noch bis nächste Woche zum Sonderpreis verpackt in einem umfangreichen Schnittpaket. Alle Infos dazu findet ihr bei Näh-Connection und ganz unten (das rosafarbene Kleid in der Bildmitte ist auch ein Antalya Dress).

Grüessli
Bettina



Kommentare:

  1. Die Farben sind ein Traum - auch wenn's etwas too much ist 😉 Und deine Überlegungen fand ich sehr spannend, danke!
    Glg Kathrin

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  2. Einen besseren Schnitt für diesen Stoff hättest Du kaum finden können. Der türkise Streifen wirkt wie ein Taillenband, das Rockteil fröhlich bunt - perfekt für die "Wild and Free"- Kollektion!
    Liebe Grüße,
    Sandra

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  3. So hübsch! Ich liebe diese tollen Farben und die Fotos genauso :-)

    LG
    Kristina

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  4. Ich finde Du hast DEN Stoff für dieses Kleid gefunden. Ich finde es perfekt! Und nein, nicht zu bunt. Kinder sind bunt: von wild und laut bis sanft und leise. Und sie lieben es bunt! Meine Tochter zieht seit sie zwei ist ihre Outfits selbst an, ich greife nur manchmal zwecks "Warmeregulierung" ein. Und sie wählt fast immer kunterbunt. Für manche Erwachsene manchmal bestimmt zu bunt. Aber so ist sich ein Kinder leben :-) Und ich finde es schade, dass viele Erwachsene ohne Farbempfinden den Kindern aufdrücken. Lange Rede... das Kleid ist mega!!
    Liebe Grüße
    Johy

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  5. I couldn't understand a word of what you wrote (haha), but I think the pictures tell the story, right? It's a gorgeous dress -- and love what you did with the fabric to make it work so beautifully. Love all the details, and I think I would recognize this anywhere as something YOU had made!

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  6. This time Google translator is no help at all, right? That's what I've thought after let it translate the Antalya blog entry 🙈

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  7. Ich muss ja zugeben, erst war mir der Stoff ein wenig zu unruhig für die Unterteilungen im Kleid, aber je länger ich das Endergebnis angeguckt habe, desto besser finde ich es. Und ich gucke ja schon lange ;-)... Knallerkleid! Und die Schuhe und das Köffcherchen sind perfekt dazu. Ganz großes Kino!
    Liebe Grüße, Änni

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  8. So ein schöner Blogpost. Du hast dieses Kleid wirklich perfekt in Szene gesetzt!

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